Was ist das Geheimnis langer Beziehungen?

35 – das ist die Anzahl der Jahre, die die Eltern einer meiner Freundinnen verheiratet sind

Was für eine utopische Zahl. Ist sowas heutzutage überhaupt noch realistisch? Schwierig zu beantworten, wenn man umgeben ist von Menschen, die mit Ende 20 auf maximal 2-3 Jahre mit demselben Partner zurückblicken können. Aber was könnte das Geheimnis langer Beziehungen sein?

Aber insgeheim wünschen sich trotzdem alle eine tolle Beziehung

Diskussionen im Freundeskreis haben eigentlich immer den gleichen Unterton: Es ist doch nicht mehr zeitgemäß, wie soll man denn sein ganzes Leben mit der gleichen Person verbringen? Und Gleichzeitig wünschen es sich doch alle irgendwie. Wie toll muss das Gefühl sein, einfach sein ganzes Leben: Umzüge, Jobwechsel, Familie gründen, miteinander geteilt zu haben. Wenn ich auf Freundschaften zurückblicke, dann sind genau die Freundschaften am innigsten, mit denen ich am meisten erlebt habe. Man beginnt auf einer anderen Ebene zu kommunizieren, anstatt alltäglichen Kleinigkeiten Gewicht zu geben. Schlichtweg, man weiß was man aneinander hat, auch wenn man bei einzelnen Themen unterschiedlicher Meinung ist.

Man nimmt sich keine Zeit mehr

Aber genau das ist das Problem. Wenn man jemanden heutzutage kennenlernt, nimmt man sich keine Zeit mehr. Man achtet viel zu sehr auf Kleinigkeiten. Die berühmte Liste ist allgegenwärtig. Er hört ganz anderen Musik als ich, dann passen wir bestimmt auch in anderen Bereichen nicht zusammen. Er kann nicht kochen? Dann ist er bestimmt auch kein Familienmensch. Oder noch besser: er hat ja nicht mehr gerade das dichteste Haar, damit ist er komplett unattraktiv. Wenn man mit der Person aber schon mit Mitte 20 zusammengekommen wäre, dann wäre uns Frauen das Haarproblem mit Anfang 30 auch egal. Aber nein im Hier und Jetzt muss alles perfekt sein.

Wenn der Typ hier es nicht ist, dann ist es halt das nächste Match.

Das Problem der unbegrenzten Möglichkeiten

Ich für meinen Teil denke, dass dies genau das Problem der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Wenn der Typ hier es nicht ist, dann ist es halt das nächste Match. Personen werden austauschbar. Ein falsches Wort und ich schreibe halt mit der nächsten Person weiter. Aber wie überwindet man dieses Gefühl? Es bringt ja auch nichts sich einzureden, der ist doch ganz nett. Auch wenn mich das stört, dann passt doch trotzdem das, dies und jenes; ich muss dem Ganzen nur mehr Zeit geben dann funkt es schon. So funktioniert es leider auch nicht. Und so rennen wir alle weiter durch die Gegend, auf der einen Seite mit dem Bewusstsein, dass unsere Einstellung nicht die richtige ist und auf der anderen Seite mit dem Dilemma, dass man Gefühle nun mal nicht herbeizaubern kann. Ich bin drei Jahre so durch die Dating-Apps gesprungen und bin immer noch nicht schlauer, wie man damit rationaler umgehen kann. Die Hoffnung ist dann doch, dass der Prinz auf dem weißen Pferd daher geritten kommt und sich alle Zweifel in Luft auflösen.

Wieso soll ich mir den Stress antun und eine schlechte Zeit haben?

Aber zurück zu den Ehen, die wirken wie aus einem anderen Jahrhundert, weil sie es nun mal sind. Ist das noch möglich sich zu sagen, wir arbeiten an einer Beziehung, wenn es mal schief laufen sollte und stecken nicht gleich den Kopf in den Sand? Setzt man sich noch hin und reflektiert, dass man einen guten Grund hatte, zusammenzukommen. Oder ist man dann heutzutage in der Krise und sieht nur noch, dass das Gras woanders grüner ist? Es gibt ja genug andere Singles. Wieso soll ich mir den Stress antun und eine schlechte Zeit haben?

Bleibt man aus Bequemlichkeit so lange verheiratet?

Ich hatte eine Diskussion mit einer Freundin, ob Paare nur auf 35 Jahre Beziehung zurückblicken können, weil sie durch äußere Umstände dazu gezwungen sind. Ist es das gemeinsame Haus, oder der Status verheiratet zu sein oder die Bequemlichkeit. Ich hoffe doch sehr, dass einen die Freude an der Beziehung zusammenhält und nicht die Angst davor, von Bekannten schief angeguckt zu werden. Aber wir werden so schnell nicht wissen, wie wir dann entscheiden. Ich habe eine Freundin die unglaubliche zehn Jahre mit ihrem Freund zusammen war. Damit ist sie weit und breit diejenige in meinem Freundeskreis, mit der längsten Beziehung. Ich schwanke noch zwischen Bewunderung und Irritation, was hauptsächlich daran liegt, dass sie die kompletten 20er mit ein und derselben Person verbracht hat. Aber dem Thema widme ich einen neuen Post.

 

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