Hasskommentare auf Instagram – was motiviert Menschen, andere zu kritisieren?

Hasskommentare auf Instagram

Ich habe lange überlegt, ob mich das Thema überhaupt genug beschäftigt, dass ich wirklich einen ganzen Blogpost dazu verfassen möchte. Aber here it is: Es geht um Hasskommentare auf Instagram.

Jeder kennt solche Kommentare, oft werden sie auch zu regelrechten Shitstorms und greifen auf andere Plattformen über. Aber besonders auffällig finde ich diese einzelnen verbissenen Kommentare in einer Flut von eigentlich nur positiven Reaktionen. Und ich rede hier von Accounts, die nichts Politisches oder Provokatives schreiben sondern einfach nur ihr Leben dokumentieren, sei es Fitness oder Beauty oder Fashion etc. Was motiviert Leute dazu, nachdem sie beim Scrollen ein Bild gesehen haben, was ihnen nicht passt, sich die Zeit zu nehmen und einen verhassten Kommentar zu schreiben?

Hass wird niemals ernst genommen

Es ist doch klar, dass ein einzelner oft provokativ geschriebener Kommentar niemals als ernsthafte Kritik ankommen und die Einstellung der Person ändern wird. Als Beispiel postet jemand ein Vorher-Nachher Foto, weil er ganz offensichtlich glücklich über den aktuellen Fortschritt ist. Und dann schreibt jemand ernsthaft „vorher sahst du besser aus“. Die Person hat hart an sich gearbeitet und die Veränderung fand nicht über Nacht statt. Was soll diese Person mit so einem Kommentar anfangen? Erwartet der Autor eine Reaktion wie: ach echt, okay, dann höre ich sofort auf mit dem Sport, danke! Der Kommentar kann weder etwas verändern, noch ist er für die Person hilfreich. Es ist schlicht und einfach nur ein Kommentar um jemanden zu verletzten. Dann ist doch die Frage, wieso jemand Zeit damit vergeudet, andere verletzten zu wollen. Meine, und wohl nicht nur meine Theorie ist, dass nur frustrierte unsichere Leute zu sowas fähig sind, weil a) Menschen, die frustriert sind, sich dadurch besser fühlen, dass sie andere nieder machen und b) Menschen, die mit sich zufrieden sind, gar nicht das Verlangen haben andere zu kritisieren.

Jeder kennt das Klischee von eine verbitterten Frau auf dem Dorf, die den ganzen Tag aus ihrem Fenster guckt und darauf wartet, dass etwas passiert worüber sie herziehen kann. Sie hat nichts zu tun und nichts was ihr Leben erfüllt, also beschäftigt sie sich mit dem Kram anderer Leute. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich Hasskommentare auf Instagram lese.

Rechtfertig Anonymität Kritik?

In der Regel betrifft so etwas vor allem große Accounts. Oder anders formuliert, je größer ein Account wird, desto wahrscheinlicher ist, dass solche Kommentare unter der Gürtellinie zunehmen. Bei großen Account rede ich in der Regel von >100k. Ich denke, für viele sind solche Accounts nicht mehr per se mit einer Person verknüpft, sondern sie werden als Business wahrgenommen. Leute, die hier einfach bedenkenlos Kommentare verfassen sehen nicht mehr den Menschen hinter dem Account, sondern denken, dass es ein öffentlicher Platz ist. Man kann jetzt argumentieren, dass Instagram nun mal öffentlich ist und jeder frei seine Meinung äußern kann. Jedoch Fakt ist, dass sich alle, wirklich alle trotzdem die Kommentare durchlesen, egal ob sie 100k oder 2 Mio. Followers haben. Selbst wenn man zig Millionen Follower hat, ist eine Kritik doch nicht komplett egal. Man lernt vielleicht damit umzugehen, aber komplett ignorieren kann ein Mensch Hasskommentare trotzdem nicht.

Instagram und die Realität

Ich hatte eine Diskussion mit jemand darüber, dass Instagram doch sowieso nur Fake sei und dass man nur positive Bestätigung bekommt und haben will, der Realität nicht entspräche. Natürlich ist da etwas Wahres dran. Nur ungefiltert Lob zu bekommen, ist sicherlich eine Verzerrung der Realität. Aber dann sollte man sich auch wieder dahinein versetzen, was die Menschen eigentlich posten. Auf Instagram gibt es viele, die im richtigen Leben eher introvertiert sind und die über Social Media einen Weg gefunden haben, das auszudrücken, was ihnen wichtig ist. Vielleicht war ein Mädchen, auch wenn sie super hübsch ist, nicht selbstbewusst, bis es Make-up für sich entdeckt hat und möchte dies nun andere weitergeben. Und dann kommt jemand daher und denkt sich, die ist so hübsch, die sollte mal jemand kritisieren in ihrer perfekten Welt und schreibt: „Sieht echt scheiße aus, wie du dich zukleisterst“.

Da sitzt immer noch ein Mensch hinter dem Account und jeder Mensch hat Gefühle. Es hört sich so banal an, aber ich möchte das nochmal betonen. Ich habe es so oft erlebt, dass Freundinnen von mir auf Instagram angefeindet wurden und die echt ratlos waren, wo dieser Hass herkommt. Aber zurück zum Realitätsabgleich: Niemand geht zu einem auf der Straße, den er nicht kennt und sagt ihm ins Gesicht, schmink dich mal ab, du trägst zu viel Make-up oder, hört mal auf so viel Sport zu machen, so viele Muskeln bei Frauen wie bei dir sind echt ekelhaft. Das mag hinter dem Rücken passieren, aber so direkt wie auf Instagram passiert es im wirklichen Leben höchstwahrscheinlich nicht.

Jeder freut sich über ein Kompliment

Genauso wie vielleicht zur viel Lob nicht dem wahren Leben entspricht, sind feindliche Hasskommentare genauso realitätsfern. Aber, und das ist der feine Unterschied, zaubert man einer Person mit einem Kompliment ein Lächeln ins Gesicht. Jemandem eine Freude zu machen sollte doch das schönste Geschenk sein, wofür man sich Zeit nimmt. Wenn einem etwas nicht gefällt, sollte man beim nächsten Mal einfach weiterscrollen. Die Welt kann man mit einem Hasskommentar nämlich nicht verbessern. Mich haben aggressive Aktivisten jedenfalls noch nie zu irgendeinem Thema bekehren können, weil sie einfach nur gruselig sind. Spread the love, people!

 

 

 

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