Sind Schmetterlinge überbewertet?

Sind Schmetterlinge überbewertet?

Ich liebe es, wenn man nie so richtig über etwas nachgedacht hat und dann zwei Mal in kürzester Zeit mit demselben Thema konfrontiert wird. Und es einen dann auch nicht mehr loslässt. Der aktuelle Fall ist die Frage, ob man um die 30 noch genauso Schmetterlinge haben kann, wie mit 16, oder 18 oder meinetwegen auch 22.

Verknallt sein und Namen mit Herzchen umranden

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, wo es ein Zeitvertreib war, Herzchen mit dem Namen der Person zu kritzeln, die man gerade toll fand? Oder wie man zwanzig Mal das gleiche Lied hintereinander hört, weil man es mit einer Person verbindet? Oder letztes Beispiel, man geht in das Café, von dem man denkt, dass der Schwarm (jawohl Schwarm!) es toll findet, nur um dann Jahre später zu erfahren, dass er nur zufällig mal da war. Das letzte Beispiel ist so passiert, aber nun gut, ich hatte eine tolle Zeit in dem Café!

Fragen über Fragen

Aber zurück zum Thema. Ich habe just, sowohl mit einem Freund als auch einer Freundin darüber gesprochen, Wir haben alle festgestellt, dass dieses absolut überdimensionale Verknallt sein irgendwie nicht mehr passiert. Klar, man findet jemanden toll und natürlich freut man sich vom anderen zu hören oder ihn zu sehen. Schmetterlinge halten ein paar Wochen und dann flaut es ab. Kopflos und leicht irrational ist es jedenfalls nicht mehr. Fehlen einem ab Mitte 20 einfach die Hormone, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen? Oder fehlt uns einfach die jugendliche Unbeschwertheit? Oder drittes, und das wäre dann die Gegenseite: Lernen wir einfach nicht mehr die richtigen Leute kennen? Wir  gehen auf ein Dutzend Tinderdates, ohne dass es Klick macht. Ist das normal; wäre es bei 12 Menschen eine zu hohe Quote, wenn man da jemanden finden würde, wo alles passt?

Man war auf der gleichen Schule, hatte die gleichen Freunde und damit war dann schon 90% des eigenen Kosmos abgedeckt.

Weshalb früher alles besser war

Tja, nach langem Überlegen denke ich mir, dass die Hormone sicherlich ihren Teil dazu beigetragen haben, aber andere Gründe überwiegen. Ich glaube, wir werden irgendwann zu rational, haben eine genaue Vorstellung vom Leben und Alltag. Ohne Kompromisse passt da niemand hinein und Kompromisse geht man schließlich nicht für irgendjemanden ein. Was wiederum schwierig ist, wenn man sich keine Zeit lässt, jemanden kennenzulernen. In der Schulzeit war es einfach egal, was der andere sonst so macht. Man war auf der gleichen Schule, hatte die gleichen Freunde und damit war dann schon 90% des eigenen Kosmos abgedeckt. An was kann man sich da noch stören? Dass der andere Basketball und nicht Fußball spielt? Okay, es gibt sicherlich noch Unterschiede, aber ich denke es wird klar, dass die Konstellation dort einfacher war.

Sind Schmetterlinge nun überbewertet?

Was ist jetzt die Konsequenz daraus? Ich denke es ist klar, dass das mit den Schmetterlingen nicht mehr so einfach ist. Ich bin auch noch unentschlossen, ob das komplett vorbei ist, zumindest über Monate hinweg. Die Frage ist nun, wenn man jemanden kennenlernt und man nicht mehr so fühlt wie mit 18, ist es dann nicht der oder die Richtige? Verwerfen wird das dann und sagen, es muss jemand kommen, bei dem mir alles egal ist und mit dem ich blindlings auswandern würde? Ich schätze, das wäre sehr erfreulich, wenn es so mit 30 noch passieren würde. Allerdings halte ich es für die falsche Herangehensweise. Wenn man es rational betrachtet, und wir sind ja jetzt so rational, dann hatte man mit 18 auch nur Schmetterlinge für ein paar Monate. Dann halten einen nicht eben diese in der Beziehung, sondern weil die Chemie stimmt und man auf einer Ebene kommuniziert.

Die Jugendliebe

Mit der Herangehensweise lässt sich auch erklären, wieso manche der Jugendliebe hinterhertrauern. Man erinnert sich vor allem immer an das Positive und das waren nun mal die irrsinnigen Gefühle, die man empfunden hat. Ich kenne mehrere, die sobald sie Single sind, an alte Beziehungen denken und diese Personen am liebsten wieder kontaktieren würde. Da mag es einige Gegenargumente für geben. Im Endeffekt ist das Totschlagargument wohl das, dass es Gründe dafür gab, weshalb es nicht funktioniert hat. Aber um es mit meinen eigenen Argumenten zu erklären ist es so, dass man mit der Jugendliebe nicht darauf geachtet hat, ob das Leben auch zusammenpasst, weil einfach alles um einen herum egal war. Genau das ist aber mit 30 doch gerade so entscheidend für alle. Also sollte man sich mit seinen Gefühlen von damals auf jeden Fall einmal ins Hier und Jetzt versetzen, bevor man seinen Kopf an Schmetterlinge verliert.

Nicht aufgeben

Zurück zu den Neuanfängen ist es ganz konkret so, dass eine Freundin von mir mehrere Dates hatte, alles war super, jedes Date war besser als das letzte. Man denkt an Beziehung, probiert den Nachnamen den anderen aus, wie man das als Frau so macht. Ach, als kleine Anmerkung, ein Freund hat mir vor kurzem in einem schwachen Moment gebeichtet, dass er auch sofort testet, ob ihr oder sein Nachname am besten zu beiden passt, ha! Aber was meine Freundin angeht: nach drei oder vier Wochen kommt die Ernüchterung. Der Alltag überwiegt, Dates sind nicht mehr nur sexy und aufregend, Arbeit und Zeitdruck führen dazu, dass alles eher mühsam statt unbeschwert ist. Und darüber sind wir auf das Thema Schmetterlinge gekommen.

Tja, ich habe ihr wärmstens davon abgeraten die Flinte ins Korn zu werden, weil momentan die positiven Dinge überwiegen. Jeder ist mit 30 im Stress, beruflich oder anderweitig. Das wird beim nächsten Mann, den sie kennenlernt auch nicht besser. Es sei denn er sitzt nur zu Haus, was dann auch wieder nicht ihr Anspruch wäre. Also, es wird nicht einfacher. Wer Schmetterlinge will, denkt eher kurzfristig. Man sollte mit 30, wo jeder seine Ecken und Kanten hat, nicht nach dem perfekten Partner sondern nach dem besten Freund suchen. An dem hat man auch nicht ständig was zu kritisieren!

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